Ein persönlicher Blick

Hopp, hopp, hopp – Kohlestopp!

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Als ich kurz vor 12 Uhr am Büro in der Dresdner Neustadt loslaufe, fährt ein Opa auf dem Fahrrad an mir vorbei und ruft mir zu: „Geht´s zur Demo?“, ich antworte mit ja, in Erwartung einer Schimpf-Tirade, über Jugendliche die Schule schwänzen. Als er daraufhin jedoch erwidert, ob er denn da auch kommen kann oder dies nur etwas für junge Menschen sei, bin ich doch sichtlich überrascht und gleichzeitig erfreut.

An der Straßenbahnhaltestelle angekommen, wundert es mich doch ein Wenig, dass kaum Schüler dastehen und ich überlege mir, ob denn überhaupt viele kommen werden. Kurz darauf werde ich jedoch eines Besseren belehrt, als ich auf Grund von Überfüllung in zwei aufeinanderfolgende Straßenbahnen nicht einsteigen kann und letztendlich mit unseren selbstbemalten NAJU-Schildern bis zum St. Benno-Gymnasium laufe.

Dort angekommen wird mir schnell klar wie falsch ich lag und ich bin überwältigt von der Masse an jungen Menschen, welche vor dem Lautsprecherwagen stehen, ihre mit kreativen Sprüchen und Bildern beschriebenen Schilder in die Höhe strecken und im Sprechgesang „Wir sind hier, wir sind laut – weil ihr uns die Zukunft klaut“ und „Hopp, hopp hopp – Kohlestopp!“ rufen.

Während verschiedene Reden gehalten werden, Poetry Slams vorgetragen werden und eifrige Fotografen die Schilder einfangen, schaue ich mich um und entdecke neben vielen Schülern und jungen Erwachsenen auch ein paar ältere Mitmenschen. Wie generationsübergreifend die „Fridays for Future“-Demo mittlerweile geworden ist, schafft Hoffnung auf Aufmerksamkeit und Handeln seitens der Regierung. Auch die Tatsache, dass „Scientists for Future“ einen Redebeitrag leistet und dabei ausdrücklich betont, dass sie hinter unserer Sache stehen, bringt viele Gesichter zum Strahlen und heizt die gute Stimmung weiter an.

Als der Demozug dann Richtung Neustädter Markt startet merke ich erst wie viele tausend Menschen gerade Seite an Seite, friedlich und mit guter Laune für diese wichtige Sache einstehen und bin sehr froh darüber Teil davon zu sein. Nach einiger Zeit, begleitet von der Musik und den Rhythmen, der in Rosatönen gekleideten Trommelgruppe, sehe ich am Straßenrand eine Kindergartengruppe, welche ebenfalls Schilder gebastelt hat und abermals meine Verblüffung über die Vielschichtigkeit der Teilnehmenden heraufbeschwört.

Nach einigen weiteren Aufrufen zum klimapolitischen Umdenken und einem dystopischen Poetry Slam – welcher regelrechtes Unbehagen in einem hervorruft, da er einem schrecklich vorführt, wie die Zukunft vermutlich aussehen wird, wenn nicht bald einmal etwas verändert wird – geht es weiter zu unserem Hauptziel, dem Altmarkt.

Dort angekommen, werden noch ein paar letzte Redebeiträge präsentiert – dieses Mal von und über Organisationen, Vereine und Projekte, bei welchen man sich für die Natur und ihren Schutz engagieren kann. Dabei wurde auch die NAJU Dresden vertreten durch Lenard Witzleb. Außerdem werden gesammelt die Ziele der „Fridays for Future“-Demo verlesen: Klimaschutz auf allen Ebenen. Beispielsweise wird eine zeitnahe Verkehrswende gefordert, d.h. Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel (damit einhergehend auch die Anpassung von Fahrtkosten und Parkplatzpreisen), sowie verkehrsberuhigte und -befreite Zonen und der erweiterte Aus- und Umbau von Fahrradwegen. Außerdem wird weiterhin Druck gemacht und gemahnt, dass der Kohleausstieg dringend notwendig ist.

Neben der Präsentation dieser und weiterer Ziele hält auch Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen eine kurze Ansprache, wodurch endlich klargestellt wird, dass die Rufe und Forderungen in die Politik vorgedrungen sind und nicht mehr ignoriert werden können.

Letztendlich versammelten sich am Freitag, den 15.03.2019, etwa 5000 Schüler*innen, Student*innen, junge und auch ältere Erwachsene in Dresden und demonstrierten mit viel Kreativität, Friedlichkeit und Hoffnung für einen zeitnahen Richtungswechsel in der weltweiten Klimapolitik.

Die Teilnahmezahlen sprechen für sich und geben uns Hoffnung, dass wir bald optimistisch in die Zukunft unserer Welt blicken können.

Johanna Pallmer – FÖJlerin bei der NAJU Dresden

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